Überlieferte Liturgie
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30. Juni 2010
Eine wichtige Basis unserer Arbeit sehen wir in der Achtung und der Pflege der überlieferten römisch-katholischen Liturgie.
Sie wird in der Sprachgebung des Motu proprio von 2007 als „forma extraordinaria“ bezeichnet.
Darío Kardinal Castrillón Hoyos, der von April 2000 bis Juli 2009 Präsident der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei war,
erklärte am 14. 6.2008 in London:
„Lassen sie mich das ganz klar sagen:
Der Heilige Vater will, dass die überlieferte Form der Messe regulärer Bestandteil des liturgischen Lebens
der Kirche wird, damit alle Gläubigen – die jungen wie die alten – sich mit den alten Riten vertraut machen,
und von ihrer spürbaren Schönheit und Transzendenz profitieren können.
Der Heilige Vater will das sowohl aus pastoralen als auch aus theologischen Gründen."
Diese Liturgie hat über Jahrhunderte hinweg die gesamte Kultur des christlichen Abendlandes geprägt, und damit auf geheimnisvolle Weise
das Grundverständnis für die Unantastbarkeit des menschlichen Individuums mitbegründet. Dieses Grundverständnis wird in anderen Kultur-
kreisen manchmal schmerzlich vermisst.
Aus katholischer Sicht ist der Wert bereits einer einzigen heiligen Messe unermesslich groß.
Der im Jahr 2000 seliggesprochene Benediktinerabt C.Marmion erklärt: „Die heilige Messe ist das gleiche Opfer wie jenes auf Kalvaria, das es
darstellt, fortsetzt, und dessen Früchte es uns zuwendet. Doch muss unsere Seele, um ihrer teilhaftig zu werden, in die heilige Opfergesinnung
Jesu eingehen. Wir müssen uns mit seinem heiligen Opfer vereinigen und uns mit ihm aufopfern; dann nimmt er sich zu uns auf, opfert uns mit
sich und trägt uns zum Vater empor.“
Der bekannte Kapuzinerpater Martin von Cochem (+1712 ) schreibt in seinem Werk „Erklärung des heiligen Meßopfers“: „Jede heilige Messe
gewinnt für dich einen höheren Grad der Glorie im Himmel. – Wenn du die heilige Messe andächtig mitfeierst, erweist du dem Heiland die
größte Ehre. – In der heiligen Messe leistet Christus Sühne für alle deine Fehler und Nachlässigkeiten. Die heiligen Messen, die du andächtig
mitgefeiert hast, werden in deiner Todesstunde dein größter Trost und vor dem Richterstuhl Gottes deine beste Hilfe sein. –
Durch die Teilnahme an heiligen Messen kannst du den Seelen im Fegfeuer helfen, die Zeit ihrer Läuterung zu verringern. – Durch jede Messe
verkürzt du dein eigenes Fegfeuer. – Eine einzige heilige Messe, die du im Leben fromm mitgefeiert hast, wird dir von größerem Nutzen sein als
viele, die für dich nach dem Tod aufgeopfert werden.“
Der im Jahr 2002 heiliggesprochene Pater Pio (+1968) war überzeugt:
„Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen, als ohne das heilige Messopfer.“
Aus diesen Zitaten wird deutlich, dass die Feier der heiligen Messe etwas
ganz besonderes ist; etwas, das von den Gläubigen dann aber auch eine
besondere Wertschätzung und Hochachtung fordert.
Aus diesem Grund sind die Entwicklungen der letzten 40 Jahre im Umgang
mit der Liturgie differenziert zu betrachten. Fakt ist nämlich, dass Glaube und
Ehrfurcht der Menschen gegenüber dem „Geheimnis des Glaubens“, der
Heiligen Eucharistie, stark abgenommen haben. Dies betrifft nicht nur Laien,
sondern ebenso Priester und Bischöfe, die einen würdigen Umgang vorleben
und bezeugen müssen.
Um Gott einen würdigen Kult darbieten zu können, kommt es natürlich nicht nur
auf die Form, sondern ebenso auf das „wie“ an. Das bedeutet, dass auch eine
heilige Messe in der aktuellen "ordentlichen Form" sehr wohl würdevoll gefeiert
werden kann.
Dennoch weist die "außerordentliche Form" Messtexte auf, die auch in ihrer
deutschen Übersetzung als einmalig schön und erhebend bezeichnet werden
können. Die modernen Messtexte stellen hier leider oft nur mehr eine gekürzte
und abgeschwächte Version dar.
Gern wird argumentiert, es könne doch nicht sein, dass der Priester mit dem
Rücken zum Volk zelebriere. Doch dabei wird schlicht übersehen, dass der
Priester hier zusammen mit den Gläubigen in der Ausrichtung zu Gott hin die
heilige Messe feiert. Damit wird der Priester derjenige, der seiner Gemeinde
auf dem Weg zu Gott vorangeht.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Art und Weise des Kommunionempfangs.
Hier kommt es auch auf die Äußerlichkeiten an:
„lex orandi – lex credendi“,
"so wie du betest, wirst du auch glauben"
Jeder kennt die emotionalen Argumentationen, die gerade zu diesem Thema
immer wieder geführt werden. Und doch gilt, dass die kniend empfangene
Mundkommunion den gläubigen Katholiken leichter und sicherer zu einem
ehrfürchtigen Umgang mit dem Allerheiligsten Sakrament des Altares führt.
Diese Art des Kommunionempfanges wird heute gerade auch von jungen
Menschen wieder neu entdeckt.




