Zum Nachdenken

Der Lebendige Rosenkranz – Pauline Marie Jaricot, Missionarin mit dem Rosenkranz

Die Kirche verdankt den Lebendigen Rosenkranz der Genialität einer jungen Frau aus Frankreich. Sie wurde 1799 in der Stadt Lyon geboren, wo sie bis zu ihrem Tod 1862 lebte. Ihr Name ist Pauline Marie Jaricot. Pauline hatte eine tiefe Liebe zu Jesus und seiner Kirche. Deshalb betete sie eifrig für die Ausbreitung des Glaubens unter allen Menschen überall auf der Welt. Ihr Vater leitete eine Seidenfabrik in Lyon und hatte viele Angestellte. Eines Tages hatte Pauline eine glänzende Idee. Sie sprach mit den Arbeitern über die Missionsaufgabe der Kirche und lud sie ein, sich ihr anzuschließen beim Rosenkranzgebet für die Priester und Ordensschwestern, die als Missionare in weit entfernten Ländern die Frohe Botschaft von Jesus verkündigten. Sie wusste jedoch auch, dass die Männer und Frauen, die viele Stunden in der Fabrik arbeiten mussten, bei ihrer Heimkehr am Abend müde waren. Aus diesem Grund erfand sie einen Weg, der es jedem Arbeiter erlauben würde, am Rosenkranzgebet teilzunehmen, ohne als Einzelner überlastet zu sein. Was also tat Pauline?

Sie bat die Arbeiter, Gruppen von je 15 Mitgliedern zu bilden. Jedes Mitglied jeder Gruppe sollte einen Monat lang täglich eines der 15 Rosenkranzgeheimnisse beten, denn nur so viele waren es damals. Jedes Gruppenmitglied erhielt am Anfang des Monats sein Geheimnis, das durch den Leiter der Gruppe ausgelost worden war. Die Lose, die aus einem Hut gezogen wurden, bestanden aus 15 Papierstreifen, auf denen je ein Rosenkranzgeheimnis geschrieben stand. Paulines Idee war in der Tat brillant und wurde von den Arbeitern ihres Vaters begeistert aufgenommen. Auch wenn sie am Ende des Arbeitstages müde waren, beteten sie zu Hause getreu ihr Rosenkranzgesätz. Oft schloss sich sogar das eine oder andere Familienmitglied dem Gebet an. Am Ende des Monats loste jede Gruppe erneut die Geheimnisse für die einzelnen Mitglieder aus, die diese dann während des folgenden Monats jeden Tag treu beteten. Und so ging es weiter, das ganze Jahr hindurch. Wir sehen, was Pauline erreichte, indem sie ihre Idee in die Tat umsetzte: Zusammen beteten die 15 Mitglieder jeder Rosenkranzgruppe täglich einen ganzen Psalter, was ein Einzelner allein niemals geschafft hätte.

Paulines Art und Weise, den Rosenkranz zu beten, wurde als der „Lebendige Rosenkranz“ bekannt. Zusätzlich zu ihrem Rosenkranzgebet für die Missionen spendeten die Gruppenmitglieder einen kleinen Betrag von ihrem monatlichen Verdienst und vertrauten das Geld Pauline an, damit sie es an französische Missionare in weit entfernten Ländern weiterleitete, um damit deren Evangelisierungsarbeit zu unterstützen. Als sie 1832 Papst Gregor XVI. in Rom besuchte, approbierte dieser die „Gesellschaft zur Glaubensverbreitung“, die aus Paulines Aktivitäten unter den Fabrikarbeitern ihres Vaters hervorgegangen war. Sie hatte sich schnell ausgebreitet und viele Menschen überzeugt, für die Missionsarbeit der Kirche zu beten und diese durch finanzielle Opfer zu unterstützen. Der Hauptsitz der neuen Gesellschaft blieb bis 1922 in Paulines Heimatstadt Lyon. Dann wurde er in die Missionsabteilung der Kirche bei der Kurie in Rom eingegliedert, die zu jener Zeit „Propaganda Fide“ hieß und heute das „Dikasterium für die Evangelisierung der Völker“ ist.

Seit den Tagen von Pauline Marie Jaricot haben sich verschiedene Formen entwickelt, den Lebendigen Rosenkranz zu beten. In einigen Gruppen des Lebendigen Rosenkranzes verpflichten sich die Mitglieder, dasselbe Rosenkranzgeheimnis einen Monat, ein Vierteljahr oder ein halbes Jahr lang zu beten. In der riesigen Vereinigung des Lebendigen Rosenkranzes in den USA (Universal Living Rosary Association) erhalten die Mitglieder bei der Aufnahme in die Vereinigung von deren Leitung ein Rosenkranzgeheimnis zugeteilt, das sie dann lebenslang täglich beten. Andere Gruppen halten sich stärker an Paulines ursprüngliche Idee: Am Ende des Monats zieht der Gruppenleiter Lose und verteilt an jedes Mitglied ein Rosenkranzgeheimnis, das dann von diesem im folgenden Monat gebetet wird.

(Quelle: Fatima ruft 3/2026 Nr. 274)

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