Zum Nachdenken

Mystische Visionen der Geburt Jesu

Nach der ehrwürdigen Äbtissin Maria von Ágreda

Die ehrwürdige Maria von Agreda (1602 – 1665), ein Kind aus adeligem Hause, trat mit 17 Jahren bei den Klarissinnen von der Unbefleckten Empfängnis ein. Die Mitschwestern bescheinigten ihr ein frohes Wesen, große Demut und Herzensgüte. Könige und Fürsten suchten ihren Rat. Maria von Agreda war eine Asketin und große Beterin, sie empfing Visionen und Lehren über das Leben der Jungfrau Maria, die mit der Zustimmung höchster kirchlicher Stellen seit 300 Jahren zu den Perlen der Mystik gehören. Der Leichnam der Äbtissin Maria von Agreda liegt bis heute unverwest im Sarg.

Maria von Agreda beschrieb ihre Visionen über die Geburt Jesu wie folgt:

Ankunft der Hl. Familie

Die arme, elende Höhle, in die Maria und Josef sich zurückgezogen hatten, war der Palast, den der König der Könige, der Herr der Heerscharen, bereitet hatte, um Seinen menschgewordenen Sohn in der Welt zu beherbergen. Der Platz war so verächtlich, daß trotz der Überfüllung in Betlehem niemand sich herbeigelassen hätte, dorthin zu gehen (…) Im Licht der begleitenden Engel sahen Maria und Josef zu ihrem Trost und unter Freudentränen, daß die Höhle verlassen war. Sie knieten nieder, lobten Gott und dankten Ihm (…) Die Höhle bestand aus natürlichen, unbehauenen Felsen, so daß sie sich nur für die Tiere eignete. Der ewige Vater aber hatte sie zur Wohnung Seines eigenen Sohnes bestimmt.

Die hl. Engel stellten sich nun wie die Leibwache im Palast eines Königs in geordneten Reihen auf. Sie zeigten sich auch dem hl. Josef in menschlicher Gestalt. Zur Erleichterung seines Kummers war es geziemend, daß er die arme Höhle mit den Reichtümern des Himmels so herrlich geziert sah. Sein Herz wurde gestärkt, ermutigt und auf die Ereignisse vorbereitet, die jene Nacht bringen sollte.

Die Höhle wird vorbereitet

Maria schickte sich an, die Höhle, die ein Königsthron und hl. Gnadenort sein sollte, mit eigenen Händen zu reinigen (…) Wegen ihrer erhabenen Würde bat Josef dringend, ihm die Arbeit zu überlassen. Er begann den Fußboden und die Winkel der Höhle zu reinigen. Maria ließ es sich indes nicht nehmen, die Arbeit mit ihm zu teilen. Die Engel waren wie beschämt. Sie säuberten in kürzester Zeit die Höhle und erfüllten sie mit Wohlgeruch. Dann zündete Josef ein Feuer an, wozu er das Erforderliche mitgebracht hatte. Da es sehr kalt war, wärmten sich Maria und Josef ein wenig. Dann genossen sie in unaussprechlichen Freuden von ihren armen Speisen. Wegen der nahen Geburt des göttlichen Kindes war Maria so in dieses Geheimnis versenkt, daß sie nur aus Gehorsam gegen ihren Bräutigam etwas genoß.

Die heilige Stunde

Nach dem Dankgebet erkannte Maria, daß ihre Stunde nahte. Sie bat Josef, sich zurückzuziehen und etwas auszuruhen, denn es war schon spät in der Nacht. Er gehorchte seiner Braut und bat sie, ein Gleiches zu tun. Während Maria auf einer von Josef bereiteten Lagerstätte Ruhe suchte, zog sich Josef in eine Ecke des Eingangs zum Gebet zurück. Dort wurde er vom Geist Gottes heimgesucht. Eine liebliche Kraft versetzte ihn in Verzückung. Darin wurde ihm alles Geschehen während der Nacht geoffenbart. Dieser Schlaf war seliger als der Schlaf Adams im Paradies.

Zu gleicher Zeit rief eine mächtige Stimme des Allerhöchsten die Königin der Schöpfung. Eine süße, sie innerlich umgestaltende Kraft erhob sie über alles Erschaffene empor. Sie empfand ungewohnte Wirkungen der Allmacht Gottes. Diese Ekstase war eine der merkwürdigsten und wunderbarsten ihres hl. Lebens. Gott verlieh ihr immer höhere Erleuchtungen und Gnaden, um sie zur klaren Anschauung Gottes zu führen.

Dann lüftete sich der Schleier: Maria sah Gott in klarer, unverhüllter Schau. Sie erblickte Ihn in solcher Herrlichkeit und mit solcher Fülle der Erkenntnis, daß weder ein Engel noch ein Mensch es erklären oder vollkommen erfassen könnte. Sie erhielt eine tiefere Schau in die Geheimnisse der Gottheit und Menschheit ihres göttlichen Sohnes sowie in den unerschöpflichen Lichtquell Seines heiligsten Herzens (…) Maria erkannte in dieser Vision die Gründe und erhabenen Ziele dieser geheimnisvollen Geburt im Hinblick auf Gott und auf die Geschöpfe (…) Sie erkannte wohl, welch erhabenes, bisher nie gesehenes Amt es sei, den Gottmenschen zu nähren und als Mutter zu pflegen und achtete sich dieses Amtes für unwürdig (…) Maria weilte über eine Stunde in dieser Verzückung und klaren Anschauung Gottes. Sie war dem Leib nach so vergeistigt, so schön, so glänzend, daß sie keinem irdischen Geschöpf mehr glich. Ihr Antlitz strömte einer Sonne gleich Lichtstrahlen aus. Ihre Züge waren sehr ernst, voll wunderbarer Majestät, ihr Herz ganz in Liebesglut entzündet. Sie kniete neben der Krippe, die Augen zum Himmel erhoben, die Hände auf der Brust gefaltet. Ihr Geist war in Gott entzückt, ihr ganzes Wesen in Gott umgestaltet. Am Schluß dieser Verzückung schenkte Maria der Welt den Eingeborenen des Vaters, ihren eigenen Eingeborenen, unseren Erlöser, Jesus, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

(Quelle: Maria von Agreda, Leben der jungfräulichen Gottesmutter Maria, Band II, S. 317-320)

 

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