Zum Nachdenken

Hermann der Lahme

Der Spruch mens sana in corpore sano trifft auf Hermann, den Sohn des Grafen Wolfrad von Altshausen, nicht zu, im Gegenteil. Der am 18. Juli 1013 Geborene, von Kindheit an Gelähmte, wäre zur Zeit der Nazis ein Opfer der Vernichtung „unwerten Lebens“ geworden.

Mit sieben Jahren wurde er den Mönchen des Klosters auf der Reichenau anvertraut. Unter dem hervorragenden Abt Berno (1008-1048), unter dem das Kloster Reichenau seine Hochblüte erlebte, erhielt Hermann eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung.
In der ersten Hälfte des 11. Jh.s entfaltete der Gelähmte eine vielseitige Tätigkeit als Historiker, Mathematiker, Astronom, Dichter und Musiker.

Er verfasste eine Chronik der Weltgeschichte von der Geburt Christi bis in seine eigene Zeit. Es ist erstaunlich, wie dieser Mönch trotz seiner Behinderung – zeitlebens war er an einen Tragstuhl gebunden – eine solch zuverlässige Weltchronik verfassen konnte. Er stellte Regeln auf, mit denen man den Aufgang und Untergang des Mondes für jeden Tag und jede Nacht errechnen konnte. Er erfand eine Methode, um Mondfinsternisse im Voraus zu berechnen. Er verfasste eine Geometrie mit vielen Figuren und Zahlen. Er dichtete und komponierte Sequenzen, erfand eine Notation der Melodien in Buchstaben. Das Alma Redemptoris Mater und (wahrscheinlich) das Salve Regina gehen auf ihn zurück.

Was noch erstaunlicher ist: Hermann übersetzte arabische Schriften ins Lateinische. Hinzu kommt noch ein Büchlein (in Versen) über die sieben Hauptsünden. Es ist unglaublich, dass er Uhren, Musikinstrumente und allerlei Apparate konstruierte.

Seine menschliche Liebenswürdigkeit und Demut, Fröhlichkeit und Dienstbereitschaft wird von seinem Mitbruder, der seine Chronik fortsetzen sollte, Berthold von der Reichenau, besonders gerühmt: „In seinem Sessel sitzend, lehrte der wunderbare Schüler der Heiligkeit, der Mund, Lippen und Zunge nur schwer gebrauchen und nur gebrochen und langsam fast unverständliche Laute zu formen vermochte. Und doch erschien er seinen Zuhörern als ein beredter und eifriger Lehrer, der munter und schlagfertig seine Antworten auf alle Fragen gern erteilte“ (Berthold).

Mit 41 Jahren starb Hermann am 24. September 1045. Die Kirche verehrt ihn als Seligen.

 

(Quelle: Peter Manns [Hrsg.]. Die Heiligen in ihrer Zeit [Artikel von P. Senger] Bd. I., entnommen dem Buch Von großartigen, bewunderungswürdigen Menschen und von solchen, die der Teufel geritten hat von Guido Becker)

 

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